Mittwoch, 3. September 2014

Der August in der Landbachaue

Ab Anfang August trafen zusehends mehr Weißstörche, durchweg die sich zur Abreise versammelnden Jungstörche aus der weiteren Region, in der Landbachaue ein, um hier und auf den umliegenden abgeernteten Feldern nach Nahrung zu suchen. Für das Brutpaar in der Aue durchaus ungebetene Gäste, die bei Dämmerungsbeginn nach einem Schlafplatz suchten und dabei oft das Nest des Brutpaares anflogen und dann mit Drohgebärden und Schnabelhieben der Hausherren vertrieben werden mussten. Den Fremdlingen blieb dann nur übrig, sich einen Platz auf den Bäumen der Aue und auf den Hochspannungsmasten zu suchen, wobei die Baumplätze bevorzugt und meist heftig umkämpft waren.Am 12. August kreisten über 150 Weißstörche hoch über der Landbachaue und entfernten sich, die offensichtlich gute Thermik nutzend, in Hauptrichtung Süden: Die diesjährige Abreise der Jungstörche.
04  (Hoch-)Spannungsreicher Schlafplatz
(Hoch-)Spannungsreicher Schlafplatz
Der vierte Jungstorch aus der diesjährigen Brut zeigte sich zunächst noch anhänglich und kehrte anfangs August allabendlich noch auf das Nest zurück, um seine Eltern um Futter anzubetteln. Diese Bettelei wurde aber von den Elternstörchen einfach ignoriert, sodass sich dieser Nesthocker nach der ersten Augustwoche auch von seiner Kinderstube verabschiedete.
05 Balanceakt
Balanceakt
Nach der Abreise der Jungstörche wurde es dann für das Brutpaar ruhiger, was auch dringend notwendig ist, denn nach der Aufzucht von vier Jungen – was als Obergrenze für freilebende Weißstörche gilt – und vor der Reise ins Winterquartier sind noch die Energiereserven aufzufüllen und der Mauserprozess abzuschließen. Und auch für die Zweisamkeit bleibt dem Brutpaar jetzt Zeit. So waren gelegentliche Kopulationen, die jetzt in dieser Jahreszeit nicht mehr der Fortpflanzung, sondern der Paarbindung dienen, zu beobachten. Voraus gingen stets Animationen der Störchin, die dann ihren Partner ausdauernd an Hals und Kopf kraulte.
06 Abreise der Jungstörche
Abreise der Jungstörche
Durchziehende Gäste in der Landbachaue waren, wie schon im Vormonat Juli, Waldwasserläufer und Bruchwasserläufer. Verstärkung gab’s im August durch zwei Grünschenkel, einen Rotschenkel, zwei Rostgänse und einen kleinen Seidenreiher, der anfangs häufig von den größeren Graureihern verjagt wurde. Auch die ersten zwei Silberreiher waren zum Monatsende und nach drei Monaten Abwesenheit in die Landbachaue zurück gekehrt.
07 Rast im Zwiebelfeld
Rast im Zwiebelfeld
Auch im August zu beobachten waren Rotfüchse auf erfolgreicher Mäusejagd bzw. einer erfolglosen Entenjagd. Und endlich zeigte sich auch mal, wenn auch nur für drei Sekunden, eine der extrem scheuen Wasserrallen, von der es in der Landbachaue mindestens fünf Reviere gibt.
08 Animation
Animation
01 Nahrungssuche
Nahrungssuche
02 Jungstorch
Jungstorch
09 Kopulation
Kopulation
10 Eisvogel und Graureiher
Eisvogel und Graureiher
11 Seidenreiher
Seidenreiher
12 Verwandte
Verwandte
13 Rotfuchs
Rotfuchs
14 Wasserralle
Wasserralle
15 Auenabend
Auenabend

Donnerstag, 31. Juli 2014

Der Juli in der Landbachaue

01 Start zum Erstflug
Fotos: Evelyn und Willi Benz – Start zum Erstflug
02 Nummer 1 fliegt
Nummer 1 fliegt
03 Erster Ausflug
Erster Ausflug
04 Nummer 3 startet
Nummer 3 startet
05 Siesta
Siesta
06 Abkühlung
Abkühlung
07 Schlafenszeit
Schlafenszeit
08 Nur noch zu zweit
Nur noch zu zweit
09 Späte Fütterung
Späte Fütterung
Hausgänse
Hausgänse
Rostgänse
Rostgänse
Waldwasserläufer
Waldwasserläufer
Wie zu erwarten und völlig im Zeitplan haben die vier Jungstörche in der ersten Juliwoche ihren Jungfernflug gestartet. Los ging es am 3. Juli, als sich die beiden mutigsten des Quartetts nacheinander vom Nest stürzten, um zu einem gerade abgeernteten Getreidefeld in ca. 500 m Entfernung vom Nest zu segeln. Nach einem nicht allzu weiten Spaziergang auf dem Acker ging’s nach einer halben Stunde wieder zurück auf’s Nest.
Der dritte Jungstorch absolvierte seinen Erstflug einen Tag später und erst nach vielen nervös abgebrochenen Startversuchen. Erst als das Storchenweibchen mehrfach das Nest umkreiste, wagte er den Absprung und folgte seiner Mutter.
Den Erstflug des vierten Jungstorches konnten wir nicht beobachten, aber am 6. Juli war das Nest leer und alle vier Jungstörche standen dösend im Gelände nahe des Nestes.

An den Folgetagen war das Quartett stets gemeinsam zu beobachten. Anfangs häufig noch auf dem Nest, später bei der Futtersuche auf den Acker- und Grünlandflächen der Umgebung, oftmals auch in Begleitung der Elternstörche. Die Wasserflächen der Landbachaue wurden nur sporadisch und dann nur zur Abkühlung aufgesucht. Das Nest wurde schließlich nur noch zur Übernachtung genutzt, auch von den Elternstörchen, die vor Einbruch der Dunkelheit als letzte das Nest anflogen. Nach der Landung der Eltern gab’s stets noch eine Fütterung der mächtig und weit hörbar bettelnden Jungstörche.
Ab dem 19. Juli kamen nur noch zwei der Jungstörche (und die beiden Elternstörche) zur Übernachtung auf das Nest. Auch tagsüber war das Jungstorch-Quartett nicht mehr vereint zu sehen. Zwei der Jungen hatten sich offensichtlich schon vom Familienverband abgenabelt und vagabundierten nun, wahrscheinlich zusammen mit anderen Jungstörchen, in der Region herum, bevor sie ihre erste Reise zur Überwinterung in den Süden starten. Am Abend des letzten Julitages kehrte dann nur noch ein Jungstorch mit dem Elternpaar auf das Nest zurück. Eine Fütterung durch die Eltern erfolgte nicht mehr, sodass der letzte Nesthocker sehr bald auch verschwinden wird.
Auch der Jungstorch aus der neuen Baumbrut nördlich des Erlensees war im zweiten Monatsdrittel flügge geworden. Anders als bei der Verwandtschaft in der Landbachaue kehrte er von Anfang an nur noch zur Übernachtung, zusammen mit den Eltern, auf sein Nest zurück.

Die teilweise heftigen Niederschläge im Juli sorgten für stark schwankende Wasserstände in der Aue und die immer wieder trocken gefallenen Schlammränder und -flächen wurden häufig von Limikolen besucht. Ständig zu sehen waren einige Waldwasserläufer, vereinzelt Bruchwasserläufer und auch die scheue Bekassine ließ sich gelegentlich blicken. Besonders erfreulich ist die Beobachtung eines jungen Flussregenpfeifers Anfang Juli. Demnach waren die seit Frühjahr ständig zu beobachtenden Elternvögel mit ihrer Brut erfolgreich.

Sicht- bzw. hörbaren Bruterfolg gab’s u. a. auch bei den Neuntötern, den Staren, den Wacholderdrosseln, den Pirolen, den Teichrohrsängern und beim Grünspecht, dem NABU Vogel des Jahres 2014.

Montag, 30. Juni 2014

Der Juni in der Landbachaue

6 Wochen alte Jungstörche
Fotos: Evelyn und Willi Benz – 6 Wochen alte Jungstörche
Flugübungen
Flugübungen
Survival-Wurm
Survival-Wurm
Fütterung
Fütterung
Jungstorch Erlensee
Jungstorch Erlensee
Nesthygiene
Nesthygiene
Warten auf Fütterung
Warten auf Fütterung
6 Wochen alte Jungstörche
6 Wochen alte Jungstörche
8 Wochen alte Jungstörche
8 Wochen alte Jungstörche
Junger Neuntöter
Junger Neuntöter
Stockentennachwuchs
Stockentennachwuchs
Bereits Ende Mai begannen die Storcheneltern ihren nun knapp sechs Wochen alten Nachwuchs für kurze Zeit auf dem Nest alleine zu lassen. Zuerst für eine Zeitraum von wenigen Minuten, später dann auch mal bis zu einer Stunde. Nach einer guten Woche war dann aber wieder ständig ein Elternteil auf dem Nest präsent, da täglich “Fremdstörche” in der Landbachaue auftauchten. Vermutlich sind die Storcheneltern noch durch den Vorfall vor zwei Jahren sensibilisiert, als ihre damals sieben Wochen alte Junge auf dem Nest von Fremdstörchen attackiert und dabei erheblich verletzt wurden.
Nach der Monatsmitte wurden die nun acht Wochen alten Jungen aber wieder zwischen den Mahlzeiten auf dem Nest alleine gelassen. Nach der Fütterung nutzten die Elternstörche oft das warme Juniwetter, um in der Thermik in größere Höhen aufzusteigen und dort ein paar Runden zu fliegen, bevor es wieder auf Jagd nach Futter für die Jungen ging. Verfüttert wurde nun größere Beute im ungefähren Zweistundenrhythmus. Darunter überwiegend Mäuse, aber auch Ratten und Maulwürfe. Frösche, die ja landläufig als die Storchennahrung gelten, wurden den Jungstörchen eher selten serviert.
Zum Monatsende – und nach dem ersten Regen nach längerer Zeit – gab’s der Abwechslung halber wieder mal ein ordentliches Bündel Regenwürmer. Einem dieser Würmer ist tatsächlich die Flucht vor den gierigen Schnäbeln der Jungstörche gelungen, indem er sich schnell auf den Kopf des Elternstorches hangelte und mit diesem dann wieder in die Freiheit ausflog.
Die zum Monatsende zehn Wochen alten Jungstörche haben ihre Nestlingszeit abgesessen und werden mit Sicherheit bis zum Ende der ersten Juliwoche ihre Jungfernflüge in die Umgebung des Nestes starten. Wir wollen ihnen dabei natürlich auf den Fersen bleiben.
Auf dem neuen Storchennest nördlich des Erlensees besteht der Nachwuchs tatsächlich nur aus einem einzigen Jungen. Dieses entwickelt sich ohne die Konkurrenz von Geschwistern erwartungsgemäß rasant und war Ende Juni sieben Wochen alt.
Außer bei den Grau- und den Nilgänsen war im Juni kaum Nachwuchs bei dem Wassergeflügel zu beobachten. Trotz dem großen Bestand an Blässhühnern waren hier höchsten zehn Küken zu sichten, bei den Stockenten führten nur zwei Entenmütter einige Küken. Die ohnehin umstrittenen Kanadagänse waren im gesamten Juni nicht in der Landbachaue zu sehen und auch die im Vorjahr zahlreichen Zwergtaucher samt ihres Nachwuchses scheinen verschwunden zu sein. Wahrscheinlich ist dies auf die extrem niedrigen Wasserstände der Aue im zweiten Quartal dieses Jahres zurückzuführen. Viele Tümpel und Senken ohne Verbindung zum Bachlauf sind trockengefallen, sodass Nistmöglichkeiten fehlen und zudem für Nesträuber (u. a. Fuchs) der Zugang zu den wassergebundenen Brutplätzen durch die Trockenheit erleichtert ist.

Sonntag, 1. Juni 2014

Der Mai in der Landbachaue

Storchennest - Fremdstorchangriff
Fotos: Evelyn und Willi Benz: Am Storchennest – Fremdstorchangriff.
Nach der ersten Maiwoche war sichtbar, dass der diesjährige Storchennachwuchs in der Landbachaue aus vier Küken besteht. Diese Anzahl gilt als Obergrenze für freilebende Störche und erfordert einen hohen Aufwand der Storcheneltern bei der Futterbeschaffung. Da die Küken ja nicht alle gleichzeitig schlüpfen, besteht meist ein merklicher Größenunterschied. Dies ist bei dem diesjährigen Nachwuchs erstaunlicherweise nicht festzustellen, alle Küken wirken und gedeihen gleichmäßig. Viel Arbeit für die Storcheneltern, die zudem noch täglich mit der Vertreibung der immer wieder im Nestgebiet auftauchenden Fremdstörche beschäftigt sind. Aber dieses Storchenpaar ist bei seiner nunmehr vierten Brut schon sehr routiniert und alle vier Küken hatten sich bis zum Monatsende zu kräftigen Jungstörchen entwickelt.
An den wärmeren Tagen des Monats wurden die Jungen mehrfach mit Wasser versorgt. Wir konnten beobachten, dass vor allem der männliche Elternstorch erstaunliche Mengen an Wasser in seinem Kropf antransportierte und dann in einem dünnen Strahl in die Schnäbel und über das Gefieder der Jungen abließ. Die anfangs verfütterten Regenwürmer und Heuschrecken wurden im Verlauf des Monats durch wesentlich größere Brocken, vor allem Mäuse, Maulwürfe und Frösche, abgelöst. Fütterungen erfolgten zum Monatsende in zwei- bis dreistündigen Intervallen.
Nach Regenwetter war bei den Störchen stets Hausputz angesagt. Die Elterstörche werfen dabei das nasse Nestmaterial kurzerhand aus dem Nest und bauen neu eingeflogenes, trockenes Material ein. Dieses Material wird im Schnabel antransportiert, anschließend erfolgt dann die Fütterung mit der im Kropf gespeicherten Nahrung.
Storchennest - Nachwuchs hinterm Erlensee
Baumbrut: Nachwuchs hinterm Erlensee
Auch bei der neuen Baumbrut nördlich des Erlensees hat sich etwas getan. Nach unseren Beobachtungen müssten dort die Küken um die Monatsmitte geschlüpft sein. Bis zum Monatsende war ein Küken sichtbar, ob es noch mehr sind wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen.
Seidenreiher
Seidenreiher
Neuntöter
Neuntöter
Kiebitz
Kiebitz
Auch die übrige Vogelwelt in der Landbachaue war im Mai mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt. Sollten die Bruten erfolgreich sein, erwarten wir bald sichtbaren Nachwuchs bei Blaukehlchen, Schwarzkehlchen, Teichrohrsänger, Neuntöter, Star, Wacholderdrossel und einigen mehr. Über das ganze Frühjahr hinweg in der Landbachaue zu sehende Kiebitze und ihr Verhalten könnte auf Brutversuche dieser bei uns streng geschützten Regenpfeiferart hinweisen, aber das ist bisher nur ein Verdacht.
Überraschungsgäste waren im Mai vier Seidenreiher, die sich für ein paar Tage in der Landbachaue aufhielten und dann, wie die Limikolen auch (im Mai kam noch kurzzeitig ein einsamer Dunkler Wasserläufer hinzu), wieder weiter zogen.
Schwalbenschwanz
Schwalbenschwanz

Sonntag, 4. Mai 2014

Der April in der Landbachaue

Wie erwartet tauchten ab Anfang April vermehrt weitere Störche in der Landbachaue auf. Bei diesen Rückkehrern aus ihren Winterquartieren handelt es sich überwiegend um unverpaarte Jungstörche, die in Trupps bis zu zehn Vögeln auf der Suche nach Brutgebieten und Nistmöglichkeiten waren. Für das bereits brütende Paar in der Landbachaue ungebetene Gäste, die dann auch – wie schon in den Vorjahren zu beobachten – von dem jeweils nicht gerade auf dem Nest brütenden Storch angegriffen und vertrieben wurden. Auch der zaghafte Versuch eines anderen Storches die 1,2 Kilometer vom Nest entfernte Nisthilfe auf dem Hartenauer auszubauen wurde dadurch unterbunden, dass der männliche Brutstorch der Landbachaue diese Nestunterlage kurzerhand besetzte.
Storch mit Bruchwasserläufer
Weißstorch mit Bruchwasserläufer
Froschjagd
Froschjagd

Von einem langweiligen Brutgeschäft der Störche kann also keine Rede sein. Am 22. April war dann eine Veränderung im Brutverhalten erkennbar. Das Brutpaar inspizierte eingehend den Nestinhalt, warf Teile aus dem Nest ab und schichtete Polstermaterial um – alles Anzeichen, dass das erst Küken geschlüpft war. Bis zum Monatsende waren dann erste Fütterungen (Auswürgen von Regenwürmern) durch die Elternstörche zu beobachten und kurzzeitig waren mindestens zwei Kükenköpfe zu sichten. Bis Mitte Mai wird dann der Storchennachwuchs wohl komplett sicht- und zählbar sein.
Mutprobe
Mutprobe
Wesentlich einfacher zu beobachten und  zu zählen war im April der Gänsenachwuchs in der Landbachaue, den wir bei den Graugänsen auf bisher mindestens 60 und bei den Nilgänsen auf mindestens 30 Köpfe schätzen. Der Nachwuchs des sonstigen Wassergeflügels wird erst im Mai zu sehen sein.

Infolge der fehlenden Niederschläge war im April der Wasserstand in der Landbachaue weiter gesunken. Ideale Verhältnisse für durchziehende Watvögel (Limikolen), die vorzugsweise an freiliegenden Schlammrändern und im Seichtwasser nach Nahrung suchen. Zu den recht zahlreichen Waldwasserläufern am Monatsanfang gesellten sich dann auch wieder Kampfläufern, Bruchwasserläufer, Grünschenkel, Rotschenkel, Flussregenpfeifer und Kiebitze.

Besondere Beobachtungen im April waren für uns ein Fischadler, der sich auf seinem Flug in großer Höhe allerdings nicht fotografieren ließ, sowie zwei Trauerseeschwalben, die am Monatsende über den Wasserflächen der Aue nach Insekten jagten.
Graugansfamilie
Graugansfamilie
Trauerseeschwalben
Trauerseeschwalben
Rotschenkel
Rotschenkel
Nutria
Nutria
Laichende Karpfen
Laichende Karpfen
Grünschenkel
Grünschenkel
Flussregenpfeifer
Flussregenpfeifer
Bruchwasserläufer
Bruchwasserläufer
Kampfläufer
Kampfläufer

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