Freitag, 31. Juli 2015

Der Juli in der Landbachaue

Die anhaltende trockene Witterung sorgte dafür, dass im Juli sämtliche Wasserflächen der Aue ohne eine direkte Verbindung zum Landbach vollständig trocken fielen. Grund für die meisten der Gänse, Enten und Blässhühner der Landbachaue den Rücken zu kehren, um sich auf die größeren Wasserflächen in der Region zu verteilen. So waren an manchen Tagen nur das Rote Höhenvieh und zahlreiche Graureiher, die offensichtliche eine erfolgreiche Brutsaison hatten, an den verbliebenen Wasserflächen der Aue zu sehen.
Für durchziehende Limikolen, wie Grünschenkel, Waldwasserläufer und Bruchwasserläufer, boten das Seichtwasser und die trocken gefallenen Schlammflächen ein ideales Nahrungsangebot und auch Schwärme von bis zu 30 Kiebitzen nutzten im Juli öfter die Landbachaue für einen Zwischenstopp.
Von den weniger von den Wasserflächen abhängigen Vogelarten in der Landbachaue waren im Juli viele Jungvögel zu sichten. Guten Bruterfolg hatten u. a. Feldsperlinge, Nachtigallen, Teichrohrsänger, Bachstelzen, Schafstelzen, Neuntöter und die Grünspechte. Spitzenreiter dürften allerdings die Stare sein, von denen allabendlich ganze Wolken von teilweise über tausend Vögeln in der Aue umherflogen.
Das Brutpaar der Weißstörche begann Anfang Juli die Fütterung seines vierköpfigen Nachwuchses rigoros zu reduzieren, um sie nach ein paar weiteren Tagen fast vollständig einzustellen. Das Elternpaar flog zwar das Nest weiterhin an, ignorierte aber das jämmerliche Betteln seines Nachwuchses und flog ohne Fütterung wieder ab. Die übliche "Erziehungsmaßnahme" der Störche, die damit ihre Jungen zur Selbstständigkeit und dem damit verbundenen Erstflug animieren. Am 10. Juli - und nach einer Nestlingszeit von 72 Tagen - starteten alle vier Jungstörche zu ihrem Jungfernflug, der sie allerdings nur ca. 500 m weit auf einen gerade abgeernteten Weizenacker führte. Nach der ersten Landung wurde zunächst ausgiebig des Gefieder sortiert und gepflegt, eine aktive Nahrungssuche war nicht zu beobachten. Dies änderte sich schnell an den Folgetagen, an denen die Jungstörche dann immer im Viererpack und in Sichtweite ihres Nestes auf den abgeernteten Getreidefeldern auf erfolgreicher Mäusejagd waren - zunächst ständig unter Aufsicht eines Elternteils, das in einiger Entfernung das Treiben beobachtete. Nur sehr selten war zu sehen, dass der weibliche Elternstorch die Jungstörche im Gelände noch zufütterte. Diese Fütterung von flüggen Jungstörchen außerhalb des Nests wird von einigen Storchenexperten bewzeifelt, bei dem Brutpaar in der Landbachaue sind sie jedenfalls alljährlich, wenn auch nur sporadisch, zu beobachten.
Das Nest wurde von den Jungstörchen nur noch zum Übernachten aufgesucht, tagsüber wurden die gesamte Zeit im offenen Gelände verbracht. Die im Juli durchweg gute Thermik wurde gerne zu beachtlichen Höhenflügen genutzt, aber stets mit Sichtkontakt zum heimatlichen Nest. Auch an den heißesten Tagen ging es meist nur kurz an die verbliebenen Wasserflächen in der Aue, um zu trinken. Dannach ging's wieder zurück in die pralle Sonne, in der auch die Ruhepausen verbracht wurden. Ganz offensichtlich sind Weißstörche nicht auf Schattenpätze angewiesen und offener Schnabel und weiß verkotete Beine als Sonnenschutz genügen ihnen als Klimatisierung.
Ab dem 28. Juli waren von dem bisher unzertrennlichen Quartett nur noch 3 Jungstörche zu sehen. Demnach hatte sich der erste Jungstorch von der restlichen Familie abgenabelt und treibt sich nun wohl mit anderen Jungstörchen aus der Region herum, bevor die Abreise der Jungstörche in Richtung Süden los geht.
Jul312015
01 Ausgetrocknet
Fotos: Willi Benz – Ausgetrocknet.
02 Abkühlung
Abkühlung
03 Graureiher
Graureiher
04 Limikolen
Limikolen
05 Kiebitzschwarm
Kiebitzschwarm
06 Junger Grünspecht
Junger Grünspecht
07 Neuntöter
Neuntöter
08 Starenschwarm
Starenschwarm
09 Startübung
Startübung
10 Familie komplett
Familie komplett
11 Jungstorchquartett
Jungstorchquartett
12 Flugstunde
Flugstunde
13 Mittagspause
Mittagspause
14 Wachtposten
Wachtposten
15 Heimlicher Beobachter
Heimlicher Beobachter

Dienstag, 30. Juni 2015

Der Juni in der Landbachaue

01 Wassermangel
Fotos: Willi Benz – Wassermangel in der Landbachaue.
02 Fuchs auf der Pirsch
Fuchs auf der Pirsch
03 Flussregenpfeifernachwuchs
Flussregenpfeifernachwuchs
04 Laichende Karpfen
Laichende Karpfen
05 Silberreiher im Brutkleid
Silberreiher im Brutkleid
06 Tüpfelsumpfhuhn
Tüpfelsumpfhuhn
07 Rebhuhn
Rebhuhn
08 Nahrungssuche im Heu
Nahrungssuche im Heu
09 Storchenbande
Storchenbande
10 Mäusejäger
Mäusejäger
11 Fast erwachsen
Fast erwachsen
12 Unbekannter
Unbekannter Vogel.
Im Juni, ebenso trocken wie die Vormonate, sanken die Wasserstände der Landbachaue weiter. Sicherlich mit ein Grund, dass es – wie schon im Juni des Vorjahres – bei den Enten, den Blässhühner und den Zwergtauchern keinen diesjährigen Nachwuchs gibt. Wasser gebundene Nester wurden zwar schon ab April gebaut, fielen aber anschließend trocken und wurden daher aufgegeben oder wurden, da leicht zugänglich, zum leichten Ziel von Nesträubern wie dem Fuchs, der sich im Juni auch am helllichten Tag bei seiner Beutesuche sehen ließ.
Geschafft hatten es, wenn auch nur mit einem bescheidenen Jungen, die Flussregenpfeifer in der Aue, bei denen wir ja einen Brutverdacht hegten. Nach dem Kiebitzpaar in der Aue, mit auch nur einem Jungvogel, die zweite heimische Limikolenart mit Bruterfolg in der Landbachaue.
Von der Witterung begünstigt waren die Karpfen, die bei ihrem Laichgeschäft das seichte Wasser in der Aue regelrecht zum Kochen brachten. Darunter einige Exemplare von mindestens 50 cm Länge, erstaunlich für diesen flachen Lebensraum.
Bei den Silberreihern, die bis Anfang Mai gänzlich zu ihren Brutgebieten im Südosteuropa ebgereist waren, gab es Mitte Juni eine Überraschung. Ein einzelner Vogel mit gelben Beinen und schwarzem Schnabel, also im so genannenten „Brutkleid“, tauchte in der Landbachaue auf. Leider nur ein kurzes Intermezzo von wenigen Tagen und noch nicht ausreichend für einen Brutverdacht dieser auffäligen Schreitvögel.
Eine noch größere Überraschung, ebenfalls zur Monatsmitte war die Beobachtung  eines Tüpfelsumpfhuhns, eine in Deutscland vom Aussterben bedrohte Rallenart, die als überaus scheu gilt. Leider blieb  es nur bei einer einmaligen Beobachtung dieses seltenen Vogels.
Weniger selten, doch auch sehr erfreulich war nach langer Zeit wieder mal die Sichtung eines Pärchens Rebhühner. Dieser früher auch bei uns so häufige Hühnervogel findet in der modernen Agrarlandschaft kaum noch Lebensräume und gilt auch nicht als ein typischer Auenbewohner.
Stressig blieb es im Juni für die Storchenfamilie in der Landbachaue. Die zahlreichen „Fremdstörche“, die auf den gemähten Grünflächen reichlich ihre Lieblingsbeute – Mäuse – fanden, inspizierten immer wieder mal das Storchennest und mussten dann von den Storcheneltern, zum Monatsende dann auch von den inzwischen wehrhaften vier Jungstörchen, abgewehrt werden. Alle vier Jungstörche waren zum Monatsende in einer guten Verfassung und öfter bei ihren hüpfenden Flugübungen bis zu 2 Meter über das Nest zu beobachten. Bis Mitte Juli werden die Jungen dann auf jeden Fall ausfliegen und nicht mehr auf die alleinige Versorgung durch die Eltern angewiesen sein, auch wenn die elterliche Zufütterung noch einige Zeit erfolgen wird.
Ganz zu Monatsende gab dann die Sichtung eines fast gänzlich schwarzen Reihers einiges Rätselraten auf. Etwas kleiner als die Graureiher, von denen er ständig verfolgt und vertrieben wurde, flatterte dieser Vogel relativ schwerfällig durch die Aue und ist von uns keiner der bekannten Reiherarten zuzuordnen. Vielleicht doch  eine Art Graureihermutation, auf jeden Fall aber ein leicht gruseliger Anblick.

Sonntag, 31. Mai 2015

Der Mai in der Landbachaue

01 Flussuferläufer
Fotos: Evelyn und Willi Benz – Flussuferläufer
02 Bruchwasserläufer
Bruchwasserläufer
03 Neuntöter
Neuntöter
04 Bachstelze
Bachstelze
05 Jungstorchquartett
Jungstorchquartett
06 Erstes Flügelstrecken
Erstes Flügelstrecken
07 Storchensiesta
Storchensiesta
08 Azurjungfern
Azurjungfern
09 Spitzenfleck
Spitzenfleck
10 Zauneidechse
Zauneidechse
Anfangs Mai waren in der Landbachaue weiterhin durchziehende Limikolen zu beobachten, darunter oft die hübschen Flussuferläufer, eine kleinere Limikolenart, deren Bestand in Europa leider stark rückläufig ist. Noch schlechter geht es dem Bruchwasserläufer, der sich im Mai auch häufig in der Aue sehen ließ.
Ebenfalls Anfang Mai kehrten auch Pirol und Neuntöter aus ihren Winterquartieren zurück. Während der Pirol häufig zu hören war und ansonsten das dichte Laub der Baumkronen als Sichtschutz bevorzugte, zeigt sich der Neuntöter gerne frei auf den Spitzen des Gebüschs, seinen so genannten Sitzwarten. Die früheren Rückkehrer der Singvögel waren im Mai längst mit ihrem Brutgeschäft bzw. der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Hierbei waren in diesem Jahr ungewöhnlich viele Bachstelzen zu beobachten.
Sehr erfreulich war die Beobachtung, dass das seit Anfang März in der Aue zu sehende Kiebitzpaar offensichtlich einen bescheidenen Bruterfolg erzielte, denn am 31. Mai war das Elternpaar, zusammen mit (leider nur) einem flüggen Jungkiebitz, bei der gemeinsamen Nahrungssuche zu sichten. Auch bei dem Paar Flussregenpfeifer in der Aue besteht ein Brutverdacht, der sich allerdings bis zum Monatsende nicht bestätigte.
Die Störche in der Landbachaue machten es lange spannend. Bis zur dritten Maiwoche waren stets drei Köpfe über dem Nestrand zu sehen und erst in der letzten Maiwoche stellte sich dann heraus, dass tatsächlich wieder vier Jungstörche (wie bereits im Vorjahr 2014) aufgezogen werden. Öfter genervt wurde die Storchenfamilie durch eine Horde 18 vermutlich unverpaarter “Fremdstörche”, die seit Ende April durch die Region vagabundiert und dabei gelegentlich das Storchennest attackierte.
Nicht nur in der Vogelwelt, sondern auch bei den Insekten gab es im Mai interessante Beobachtungen. Neben den häufigen Azurjungfern, Plattbauch-, Blaupfeil- und Prachtlibellen waren auch die recht seltenen und daher streng geschützten (Rote Liste) Spitzenflecklibellen (Libellula fulva) zu sichten. Am letzten Maitag zeigte sich in der Landbachaue erstmals eine fast gänzlich schwarze Asiatische Hornisse (Vespa velutina), die der invasiven Spezies zugerechnet wird und bevorzugt nach Honigbienen jagen soll. Leider ist uns von dieser Hornisse kein Foto gelungen, da das Insekt nicht lange genug still hielt.

Donnerstag, 30. April 2015

Der April in der Landbachaue

00 Kuckuck.jpg
Fotos: Evelyn und Willi Benz – Kuckuck
01 Bruchwasserläufer
Bruchwasserläufer
02 Flussuferläufer
Flussuferläufer
03 Flussuferläufer
Flussuferläufer
04 Uferschnepfe
Uferschnepfe
05 Seidenreiher
Seidenreiher
06 Brütendes Blässhuhn
Brütendes Blässhuhn
07 Laichende Karpfen
Laichende Karpfen
09 Rotmilan
Rotmilan
08 Graugansnachwuchs
Graugansnachwuchs
10 Schwarzmilan.jpg
Schwarzmilan
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Schafstelze
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Blaukehlchen
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Silberreihertrio
14 Graureiher mit Ringelnatter.jpg
Graureiher mit Ringelnatter
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Knäkenten-Punk
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Nachwuchs geschlüpft

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Fremdstorchattacke
18 Vertreibung Fremdstörche.jpg
Vertreibung Fremdstörche
Anfang April waren die ersten Kuckuckrufe in der Landbachaue zu hören. Das war früh und fand sogar im hessischen Regional-TV (“Hallo Hessen”) Erwähnung.
Nach dem Kuckuck kamen dann die Limikolen, die auf der Reise zu ihren Brutgebieten in der Aue Rast machten und im Seichtwasser und den Gewässerrändern nach Nahrung suchten. Neben Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer und Grünschenkel fiel zum Monatsende vor allem eine Uferschnepfe ins Auge. Diese große Schnepfenart, mit einer Flügelspannweite von 75 cm, ist stark gefährdet und steht daher weltweit auf der Roten Liste.
Wesentlich kleiner sind die Flussregenpfeifer, die in der Landbachaue bei ihren Balz- und Paarungsritualen zu sehen waren. Mittlerweile gibt es zumindest einen Brutverdacht bei zwei Paaren. Bereits im Vorjahr 2014 konnte schon ein Jungvogel dieser Art in der Landbachaue belegt werden.
Nicht zu übersehen war zum Monatsende ein weiterer Gast in der Landbachaue, ein schneeweißer Seidenreiher mit seinen schmucken Schopffedern, wesentlich kleiner als die Silberreiher, von denen im April die meisten in ihre Brutgebiete in Südosteuropa abgereist sind.
Während im April die Gänse bereits ihren Nachwuchs ausführten, waren andere Vogelarten noch mit Nestbau (z. B. Rotmilane) und Brutgeschäften (z. B. Blässhühner) befasst. An sonnigen Apriltagen waren mehrfach erstaunlich große Schuppenkarpfen bei ihrem Laichgeschäft im Flachwasser zu sehen.
Spannend wurde es bei den Störchen der Landbachaue, die ja am 28. März mit ihrer diesjährigen Brut starteten. Am 29. April, also nach einer Brutdauer von 32 Tagen, war dann am Verhalten des Storchenpaars klar erkennbar, dass der Nachwuchs geschlüpft war. Als erste Fütterung würgten die Elternstörche recht stattliche Regenwürmer aus.
Fast dramatisch wurde es am letzten Apriltag, als fünf “Fremdstörche” gleichzeitig das Nest attackierten und auf dem Nest zu landen versuchten. Da der männliche Elternstorch unterwegs auf Nahrungssuche war, wurden alle Attacken von der Störchin allein abgewehrt, sodass die Fremdlinge schließlich entnervt direkt unter dem Nest landeten, um es regelrecht zu belagern. Nach einer Weile kehrte dann der mänliche Elternstorch auf das Nest zurück und sofort ging die Post ab. Während der Storchenvater auf dem Nest blieb, um die Küken zu schützen, stürzte sich die Storchenmutter wie eine Furie auf die Belagerer unterhalb des Nests und vertrieb tatsächlich alle fünf! Eindringlinge mit heftigen Schnabel- und Flügelhieben. Für uns eine verblüffende Beobachtung, da das Vertreiben von Eindringlingen in den zurück liegenden vier Beobachtungsjahren stets “Chefsache” war.

Sonntag, 5. April 2015

Erster Gänsenachwuchs an der Landbachaue

Graugansnachwuchs
Fotos: Evelyn und Willi Benz – Graugansnachwuchs an der Landbachaue.
Pünktlich zu Ostern führte ein stolzes Grauganspaar erstmals seine 9 Gänseküken vor – er erste Gänsenachwuchs in diesem Jahr.
Interessierter Rotmilan
Interessierter Rotmilan.
Da der Ausflug auch von einem sehr interessierten Rotmilan beobachtet wurde, verschwand die ganze Gänsefamilie schnell wieder im Schilf.

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