Mittwoch, 31. Mai 2017

Der Mai in der Landbachaue

01 Rotschenkel
Fotos: Willi Benz – Rotschenkel
Anfang Mai ließ der Limikolenzug in der Landbachaue merklich nach, um bis Mitte des Monats dann nahezu gänzlich zu versiegen. Ein kurzes Gastspiel gaben noch zwei Rotschenkel und zum Monatsende ein einzelner Grünschenkel. Auch der viel beachtete Löffler beendete nach 36 Tagen seinen Aufenthalt in der Landbachaue. Direkt nach dem Löffler schaute noch für einen Tag ein Seidenreiher vorbei, wie der Löffler auch eine Schreitvogel, allerdings in der Landbachaue häufiger zu sehen.
Aber auch ohne Watvögel ist der Mai der beobachtungsreichste Monat im Jahr. Ließen sich bis zum Abbau des Schutzzaunes so gut wie keine Kiebitze blicken, erschien direkt nach dem Zaunabbau ein Kiebitzpaar in der Landbachaue und war bis Monatsende nahezu täglich zu sichten – auch innerhalb des für sie vormals vorgesehenen Areals.
Blicken ließen sich im Mai auch die sonst eher verborgenen Nachtigallen und Rohrsänger, beides Arten mit einem spürbaren Bestandsrückgang gegenüber den Vorjahren. Ebenfalls ein Bestandsrückgang ist bei den Anfang Mai aus ihrem Winterquartier eingetroffenen Neuntötern festzustellen. Von dieser Art fehlt nach unseren Aufzeichnungen in diesem Jahr mindestens die Hälfte der Vögel.
Eine gewaltige Bestandszunahme war im Mai bei den Staren festzustellen. Nahezu jede Baumhöhle im Auengebiet wird von dieser Art zur Brut genutzt, die übrig gebliebenen Höhlen teilen sich vor allem Meisen, Kleiber und Baumläufer, Arten mit erfreulichen Beständen. Auch Hausrotschwanz und Wiesenschafstelze geben ihr Bestes für ihre Arterhaltung und scheinen, zumindest im Auengebiet, wenig gefährdet.
Den ganzen Mai über in der Landbachaue zu sehen, oder zumindest mit ihren typischen Rufen zu hören, waren zwei Schwarzspechte – Männchen und Weibchen, die allerdings nie gemeinsam gesichtet wurden. Diese Spechtart brütet üblicherweise in Waldgebieten, die Landbachaue dürfte für sie nach der einschlägigen Lehre als Bruthabitat eher nicht geeignet sein.
Anders sieht es beim Feldschwirl aus, der in der Landbachaue durchaus gute Brutbedingungen vorfindet. Dieser extrem scheue Grassänger war den ganzen Mai über, vor allem in den Abendstunden, durch seinen typisch sirrenden Gesang in zwei Revieren zu lokalisieren. Sichtungen sind allerdings Glückssache, denn die Schwirle sind stets gut gedeckt in der Vegetation dicht über dem Boden und im schwindenden Tageslicht mehr zu erahnen als zu sehen.
Nicht zu übersehen war im Mai  dagegen eine Rotte Wildschweine, bestehend aus vier Bachen und mindestens 15 Frischlingen. Ohne große Scheu zeigte sich die Bande wiederholt am hellichten Tage im Ostteil der Aue den staunenden Passanten.
Bei den Störchen in der Landbachaue dauerte es bis zum 4. Mai, bis der erste Kükenkopf über dem Nestrand zu sehen war. Drei Tage später konnten wir dann drei Küken zählen, davon ein Küken mit einer erheblichen Verletzung im Scheitelbereich – vermutlich von einem Fremdstorchangriff, denn das Nest wurde häufig von anderen, unverpaarten Störchen attackiert. An den Folgetagen war immer nur zwei Küken zu sehen und Mitte Mai entdeckten wir das dritte Küken tot und schon leicht mumifiziert am äußeren Nestrand hängend.
Wie schon der April war auch der Mai kein guter Monat für die Störche. Würmer waren wegen der andauernden Trockenheit kaum erreichbar, Mäuse waren in der hohen Vegetation (die Wiesenmahd war erst spät im Monat angelaufen) auch kaum aufzutreiben und Frösche sind allenfalls nur unregelmäßiger Beifang für die Adebare. Blieben in der Auswahl vor allem nur Insekten, mit denen allein ein Storch nur schwer über die Runden kommt, zumal wenn ein hungriger Nachwuchs mit zu versorgen ist. Wie schon im April waren daher bei jeder landwirtschaftlichen Tätigkeit auf den Äckern Storchenansammlungen im Schlepptau der Traktoren. Vor allem die laufenden Beregnunganlagen der Landwirte wirkten auf die Störche der Region wie Magnete.So konnten wir gegen Monatsende auf einem beregneten Schnittlauchacker westlich der Landbachaue über 120 Störche zählen, die sich natürlich aus dem weiteren Umkreis zur Würmerjagd versammelt hatten. Bei Dämmerungsbeginn löste sich die Versammlung dann auf und flog zu ihren Nest- und Schlafplätzen. Gut zwei Drittel der Störche flog dann auch in Richtung West, also Richtung Biebesheim, ab, wo es bekanntermaßen eine starke Storchenpopulation gibt.
Bleibt jetzt auf günstigere Witterungsbedingungen und das verbundene verbesserte Nahrungsangebot für die Störche zu hoffen, ansonsten könnte es für den diesjährigen Storchennachwuchs – zumindest in der Region – kritisch werden.
02 Seidenreiher
Seidenreiher
03 Kiebitz
Kiebitz
04 Nachtigall
Nachtigall
05 Teichrohrsänger
Teichrohrsänger
06 Neuntöter
Neuntöter
07 Star an Bruthöhle
Star an Bruthöhle
08 Kleiber-Bruthöhle
Kleiber-Bruthöhle
09 Fütternder Baumläufer
Fütternder Baumläufer
10 Fütternder Hausrotschwanz
Fütternder Hausrotschwanz
11 Fütternde Wiesenschafstelze
Fütternde Wiesenschafstelze
12 Schwarzspechtweibchen
Schwarzspechtweibchen
13 Singender Feldschwirl
Singender Feldschwirl
14 Bache mit Frischlingen
Bache mit Frischlingen
15 Bettelndes Storchenküken
Bettelndes Storchenküken
16 Jungstorchduo Mitte Mai
Jungstorchduo Mitte Mai
17 Toter Jungstorch am Nestrand
Toter Jungstorch am Nestrand
18 Jungstorchduo Ende Mai

Jungstorchduo Ende Mai




19 Storcheninvasion
Storcheninvasion

Sonntag, 30. April 2017

Der April in der Landbachaue


01 Kuckuck

Fotos: Willi Benz – Kuckuck
02 Möchsgrasmücke
Möchsgrasmücke
03 Schwarzkehlchen
Schwarzkehlchen
04 Blaukehlchen
Blaukehlchen
05 Braunkehlchen
Braunkehlchen
06 Bruchwasserläufer
Bruchwasserläufer
07 Kampfläufer
Kampfläufer
08 Grünschenkel
Grünschenkel
09 Flussregenpfeifer
Flussregenpfeifer
10 Bekassine
Bekassine
11 Kiebitz
Kiebitz
12 Löffler
Löffler
13 Graugansnachwuchs
Graugansnachwuchs
14 Nilgansnachwuchs
Nilgansnachwuchs
15 Hungrige Störche
Hungrige Störche
16 Nachwuchs geschlüpft
Nachwuchs geschlüpft

Der nahezu den ganzen April aus nördlichen Richtungen wehende Wind verzögerte die Rückkehr vieler Brutvogelarten. Ausgenommen war der Kuckuck, der schon am 3. April, und damit früher als in der Vorjahren, in der Landbachaue zu sehen und vor allem zu hören war. Erste Schwarzkehlchen waren bereits im März zurückgekehrt, Blaukehlchen folgten nun ab der zweiten Aprildekade und zum Aprilende konnte ein balzendes Paar Braunkehlchen gesichtet werden - eine besonders erfreuliche Beobachtung, da landesweit seit geraumer Zeit ein Besorgnis erregender Rückgang dieser Schmätzerart registriert wird.

Zögerlich und in geringerer Anzahl trafen im April Mönchsgrasmücke, Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Teichrohrsänger, Pirol und - besonders auffällig - Nachtigallen ein. Dennoch gab es bei der Vogelstimmenwanderung am 23. April mit 41 beobachteten Vogelarten ein ganz passables Ergebnis.

Auch die von ihren Winterquartieren in die nördlich gelegenen Brutgebiete ziehenden Watvogelarten waren im April von der Wetterlage beeinflusst. Den ganzen Monat über waren Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Grünschenkel, Flussregenpfeifer und Bekassinen zu sichten, die in der Landbachaue einen Zwischenstopp auf ihrer Reise einlegten, um ihre Energievorräte für die Weiterreise nach Norden aufzufüllen. Nahezu gänzlich ausgeblieben waren in diesem Jahr die Kiebitze, von denen Ende April lediglich zwei Vögel bei ihrer Nahrungssuche in der Aue zu sehen waren.

Für einiges Aufsehen unter den Vogelbeobachtern sorgte ein ab Mitte April in der Landbachaue zu beobachtender Löffler, ein in unserer Region sehr seltener Schreitvogel aus der Familie der Ibisse. Vereinzelte Beobachtungen dieser Vogelart gab es zwar schon in der Landbachaue,  aber selbst die einschlägigen Experten rätseln, was diesen Vogel jetzt zu einer längeren Verweildauer bewegt.

Bei den Gänsen in der Aue gab es im April moderaten Nachwuchs. Fünf Grauganspaare hatten jeweils zwischen drei und neun Küken und lediglich ein Nilganspaar hatte Nachwuchs - allerdings mit 18 Küken in stattlicher Größe.

Die Störche mussten im trockenen April viel Zeit und Energie in ihre Nahrungssuche investieren. Ihre Hauptbeute in diesem Monat, Regenwürmer, hatten sich in die tieferen und feuchten Bodenschichten zurückgezogen und waren kaum erreichbar. Nur wo eine Bearbeitung der Äcker statt fand war mit Beute zu rechnen und so war nahezu jeder Traktor auf den Äckern von kleineren und größeren Storchentrupps (bis zu 50 Vögeln!) begleitet.

Das Storchenpaar in der Landbachaue blieb gerade noch in seinem Terminplan. Am 27. April war am Verhalten des Brutpaares erkennbar, dass der Nachwuchs geschlüpft war. Brutbeginn war am 25. März, die Brutdauer war demnach 34 Tage - die Obergrenze für eine reguläre Brut. Bis Mitte Mai wird der Storchennachwuchs dann über dem Nestrand zu sehen sein, bis dahin bleibt es spannend.

Freitag, 31. März 2017

Der März in der Landbachaue

Im März blieb die Wasservogelpopulation in der Landbachaue überschaubar. Der Graugansbestand pegelte sich bei ca. 50 Vögeln ein, Kanada- und Nilgänse blieben an den meisten Tagen im einstelligen Bereich. Auch von den Stockenten waren meist nur wenige Vögel zu sichten und die bis zu 20 in der Aue überwinternden Krickenten werden im April zu ihren Brutgebieten abreisen. Kurzzeitige Gäste waren im März einige Löffelenten, die ihren Namen dem recht gewaltigen Schnabel verdanken und auch einige Paare der hübsch gefärbten Pfeifenten.
Auch Watvögel machten sich im März rar. Bis auf einen einsamen Waldwasserläufer, der den ganzen Winter über zu sehen war, konnten lediglich eine Bekassine und ein einzelner Flussregenpfeifer beobachtet werden. Kiebitzbeobachtungen gab es über den gesamten März leider keine.
Spannender war es im März bei der Rückkehr der Singvögel aus dem Winterquartier. Vor allem Zilpzalp (Weidenläubsänger) und Singdrossel kamen in größerer Anzahl in der Landbachaue und waren nicht mehr zu überhören. Auch Rohrammern, Schwarz- und Blaukehlchen waren bis zum Monatsende wieder in ihren Brutrevieren in der Aue, während durchziehende Trupps von Feldlerchen und Wiesenpiepern der Landbachaue nur kurze Stippvisiten abstatteten.
Bei den Greifvögeln bekamen die in der Aue ganzjährig sesshaften Mäusebussarde im März wieder Verstärkung durch Schwarzmilane, Rohrweihen und einen weiteren Rotmilan und auch einer der seltenen Fischadler ließ sich bei seiner Beutesuche im Rüttelflug über den Wasserflächen beobachten.
Das im Februar zurückgekehrte Storchenpaar forcierte Anfang März den Ausbau seines reparierten Nest für die anstehende Brutsaison. Gegen Monatsmitte fiel auf, dass der männliche Storch merklich mager wirkte. Auffälligkeiten im Verhalten dieses Storches waren nicht zu erkennen und Nahrungsmangel war auch auszuschließen. Wir führen diesen Gewichtsverlust des Storchs auf den Stress durch die umfangreichen Bauarbeiten  am Nest und die Kräfte zehrende Abwehr und Vertreibung der vielen seit Monatsanfang auftauchenden „Fremdstörche“ zurück.
Am 25. März startete das Storchenpaar mit seiner diesjährigen Brut, der siebten in Folge, das Schlüpfen des Nachwuchses erwarten wir mit Spannung in der letzten Aprilwoche.
01 Krick- und Löffelente
Fotos: Willi Benz – Krick- und Löffelente

02 Pfeifentenerpel
Pfeifentenerpel
03 Waldwasserläufer
Waldwasserläufer
04 Flussregenpfeifer
Flussregenpfeifer
05 Singdrossel
Singdrossel
06 Wiesenpieper
Wiesenpieper
07 Mäusebussard
Mäusebussard
08 Schwarzmilan
Schwarzmilan
09 Rohrweihe
Rohrweihe
10 Fischadler
Fischadler
11 Nestausbau
Nestausbau
12 Kopulation
Kopulation
13 Neuankömmlinge
Neuankömmlinge
14 Eindringling im Anflug
Eindringling im Anflug
15 Entspanntes Brutpaar
Entspanntes Brutpaar

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